24.01.2020
Der Mut zur Wahrheit in der AfD?
Warum wurde Bestseller-Autor Schulte ausgeladen?

Thorsten Schulte, Spiegel-Bestseller-Autor („Kontrollverlust“, Platz 1 in der Ausgabe40/2017), ist in Ungnade gefallen. Er hat eine neues Buch geschrieben, das ein politische Atombombe werden könnte - sollte dessen Inhalt jemals die Massen erreichen. Und da nutzt es rein gar nichts, dass Schulte beteuert, dass er alles belegen könne, offen für jede Korrektur sei und mit jedem sprechen wolle. Wikipedia ließ schon einmal das Beil fallen: „Thorsten Schulte, Pseudonym Silberjunge, ist ein deutscher Unternehmensberater und Bestseller-Autor. In seinen politischen Publikationen vertritt er Verschwörungstheorien und betreibt Geschichts-revisionismus. Kritiker ordnen ihn dem neurechten Populismus zu und sehen ihn als AfD-Sympathisanten.“ „Verschwörungstheorie“ oder „Verschwörungstheoretiker“ sind hochwirksame Waffen für gehirngewaschene Menschen, um diese vom Denken abzuhalten. Und nur ein kurzer Blick ins Inhaltsverzeichnis des neuen Schulte-Buches genügt, um zu erkennen: Das Buch hat Potential und Schulte könnte als neuer Galileo Richtung Scheiterhaufen auf dem Weg sein. Hier ein kleiner Ausschnitt: „Der 2. Weltkrieg und das perfide Spiel der Anti-Hitler-Koalition“ - 6.1 Wie England täuschte und Polen das erste Opfer wurde. - 6.2 Das Unternehmen Barbarossa beglückte den Westen. - 6.3 Über schrecklichen Hass, den Holocaust und warum Juden, Russen und Deutsche auch Opfer der gleichen Täter sind. - 6.4 Adenauers Anklage, Churchills Schuld, Roosevelts Kollektivschuld. Und danach: „Die Lehre daraus - Über die Schuld - Unser Auftrag, der nicht Merkels Mission ist! “. Das hat Brisanz. Allerdings: Es ist politisch wertlos, die Wahrheit zu erkennen und auch noch zu beweisen, wenn Macht gegen Wahrheit steht. Dann droht Verbrennung nach Art der Zeit.

Kann nicht sein, was nicht sein darf?

Eine Gruppe AfD-Bundestagsabgeordneter hatte Schulte für den 28.01.2020 ins Paul-Löbe-Haus Berlin (Europasaal 4900) zu einer Buchvorstellung und zum Diskurs eingeladen. Dazu kam es indes nicht: Es wurde Druck ausgeübt, heißt es, von der Parteiführung. Das in Deutschland geschaffene politische Klima erlaube keinen ideologiefreien Diskurs über historische Themen, hieß es. Nun ist Thorsten Schulte ohne Frage, und das ist anscheinend sein Problem, ein ehrlicher, aufrechter Mensch, der sein Land, dessen Kultur und Leute liebt; einer, der Angst um sein Deutschland hat, der erkennt, was auf dieses Land zukommt, und das anhand von greifbaren Tatsachen. Warum, so fragt man unbedarft, nutzt die Parteileitung, der es um Deutschland geht, nicht seine Recherche? Warum prüft man nicht die geschichtlichen Fakten, die Schulte liefert, und benutzt sie in der politischen Auseinandersetzung ? Warum wirft man ihm und einzelnen Mandatsträgern Knüppel zwischen die Beine? Gab es womöglich schon ein Hintergrundgespräch zwischen Herrn Gauland, diesmal mit dem neuen Inlandsgeheimdienstchef darüber, was wahr sein darf und was nicht? Mit Herrn Maaßen hatte er ja früher schon mal gesprochen, als es um Probleme in der AfD ging.

Mut zur Wahrheit ohne Hass

Noch durfte Schulte, wie am 23.01. in Oberursel bei der dortigen Kreis-AfD, vor vollem Haus und mit Erfolg sein Buch vorstellen und seine Recherchen vorstellen und beginnend mit dem letzten Kaiser den durchweg sehr interessierten Zuschauern nahebringen. Seine Botschaft: „Mut zur Wahrheit ohne Hass“, wie er immer wieder betont. Und: „Wir brauchen eine Art APO 2.0. Trump und Putin sind Deutschlands Freunde, die Globalisten seine Verderber.“
Und so ist es auch ein mutiges Unterfangen, was Schulte mit seinem Buch und mit seinen Vorträgen versucht, mit einem Dauerappell an die Zuhörer. „Haben Sie Mut, denken Sie selbst.“ Und „Kein Hass!“

Nagelprobe für Vorstand

Was allerdings Bücher politisch bewirken können, ist unschwer an Thilo Sarrazin zu sehen. Und so dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Schulte auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD landet, die der Staatsrechtler Schachtschneider für unwirksam, da nicht legitimiert, hält. Gerade der Diskurs über dieses Buch wird eine Nagelprobe für den neuen Bundesvorstand sein, wie er es mit dem „Mut zur Wahrheit!“ hält.