23.11.2019
David Jayne zum Artikel vom 20.11.2019, Wieder einmal: Der verhinderte Leserbrief
 

Wieder einmal: der zu Recht verhinderte Leserbrief

Lieber Herr Klein,

dass Sie ihre Meinung äußern können und dies tun finde ich sehr gut, das zuerst. Kommunikation unter den Menschen verhindert gravierende Missstände, die zu Unmut, Intoleranz und allerlei Ärger führen. Ich gebe Ihnen deswegen hier ebenfalls meine Kenntnisse und meine Meinung zum Thema Windkrafträder dazu.
Ihre Argumentation, dass Windkraftanlagen dafür verantwortlich sind, dass in Aumenau oder der näheren Umgebung Platzregen häufiger vorkommt ist meiner Meinung nach nicht schlüssig - siehe meine Gegenargumentation hier unten. Von daher ist für mich auch klar, dass keine politische Maschine im Hintergrund werkelt, um die Energiewende schonend darzustellen. Die NNP hat nur begrenzten Platz für Leserbriefe, damit eine repräsentative Auswahl von aktuellen Themen dargestellt werden kann. Ihr Leserbrief wäre sicherlich ohne weiteres veröffentlicht worden, wenn er sich auf die Kernpunkte Ihrer Argumentation beschränkt hätte und keine uninformierten Spekulationen enthalten hätte.
Um die Skala von Wettersystemen zu verstehen, muss man sich nur das Satellitenbild von Europa von diesem Montag, dem 18. November anschauen. Es gab ein Tiefdruckgebiet, das über dem Nordatlantik für ein enormes ununterbrochenes Wolkenband gesorgt hat, das sich vom Süden Spaniens bis nach Skandinavien erstreckte. Egal wie viele Windräder wir Menschen aufgestellt hätten und haben, auf Land oder draußen vor der Küste, wäre das System davon völlig unbeeinflusst. Ein paar winzige Rotorblätter im Weg machen der gigantischen Kraft eines solchen Wettersystems absolut gar nichts aus. Die Rotorblätter greifen nicht einmal zu einem Zehntel in die vorbeiziehenden Wolken hinein und selbst wenn, dann mit einem so dünnen Profil, dass die hinterherziehenden Verwirbelungen nach 100 Metern nicht mehr messbar sind. Selbst diese Verwirbelungen sind in der Dimension winzig klein im Vergleich zu den vertikalen Luftströmen, die während eines Sturms von der Natur selbst verursacht werden.
Und so ist es auch geschehen. Vier Tage später - zur Zeit des Schreibens -, herrscht am Donnerstag eine ruhige Wetterlage mit einem Kaltluftstrom aus dem Norden. Kein einzige Tropfen Regen ist gefallen; weder am Mittwoch noch am heutigen Donnerstag. Die zum Teil sehr tiefen Wolken der letzten Tage sind friedlich vorbeigezogen und der Wind, der sie trieb, hat uns kostengünstigen und sehr umweltfreundlichen Strom beschert.
Was den Lärm von Windkraftanlagen betrifft, hier ein Zitat des Ärzteblatts (www.aerzteblatt.de), das mir bestätigt, was ich bereits vermutet habe. "Nicht nur Windanlagen erzeugen Infraschall, sind aber eine höchst umstrittene Quelle dafür. Offenbar gerät das Phänomen auch deswegen aktuell in den Fokus der Wissenschaft. Windparks erzeugen Infraschall – Meeresrauschen auch. Dennoch bringen nicht Küstenbewohner ihn als „Bumerang der Energiewende“ in Misskredit, sondern die Nachbarn von Windenergieanlagen. Obwohl es zahlreiche andere Quellen von niedrig frequentem Schall gibt [Pumpen, Flugzeuge, Kraftfahrzeuge, Klimaanlagen, Meeresbrandung, Wälder usw.], geriet der Infraschall in den Fokus der Forschung, seit man sich mit den Gesundheitsrisiken der Windenergieanlagen (WEA) intensiver befasst." Das Team um den klinischen Psychologen Prof. Dr. Keith J. Petrie von der Universität Auckland in Neuseeland hat die Frage untersucht, ob die Psyche angesichts eines Windrades in der Nachbarschaft das Krankheitsempfinden triggert. Petrie kann zeigen, dass Negativ-informationen über Windräder ungute Erwartungen triggern und dies eher Symptome verursacht als der Infraschall selbst."
Es ist selbstverständlich jedem Leser/jeder Leserin überlassen, welchen Informationsquellen sie glauben wollen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es damals viel Aufruhr von Nachbarn gegeben hat, als kriechende Windmühlen aus Holz sukzessiv gebaut waren - "Ach, das Ding ist so laut!" oder "Das ständige Flackern des Sonnenlichts macht mich wahnsinnig!". Windkraftanlagen sind nur ein Zeichen unserer Ära - spätestens in 50 Jahren werden sie von der Landschaft verschwunden sein da mittlerweile eine viel effizientere Art und Weise Strom zu erzeugen erfunden worden ist. Als Beispiel; der Abbau von mit Kohle befeuerten Kraftwerken - aus Umweltsicht eine höchst ineffiziente Methode - hat bereits begonnen. Der Umschwung auf regenerative Stromquellen ist schon längst im Gange, und Windkraftanlagen für 'grüne' - und damit umweltschonende - Energie, die wir alle benutzen wollen, sind einfach ein Teil davon. Das Argument "Windkraft ja, aber nicht vor meiner Haustür" gilt dementsprechend nicht. Windkraftgegner bitte ich, ihre persönliche Energie eher in die Lösung des Stromspeicherproblems zu investieren. Also wenn Sie eine bessere Alternative zur Stromerzeugung, -pufferung und -verteilung in der Schublade haben Herr Klein, dann her damit!

David J. Jayne
23.11.2019