Heute vor 9Jahren war der Kampf um die Alte Schule entschieden

Die VN hatten u .a. 300 Unterschriften gesammelt und sich aktiv für den Erhalt der Alten Schule eingesetzt. Damit entstand auch eine Dokumentation, die heute bereits historisch ist.
 


30.01.2009
Ein guter Tag für Villmar: "Alte Schule" bleibt mit vernünftigen Konzept erhalten
 
Wir freuen uns, dass die "Alte Schule" von Villmar mit ihren schönen Marmorarbeiten stehen bleiben wird. Ein schöner Tag für Villmar, zumal die Gemeinde durch die vorgelegte Bankbürgschaft des Investors auch in sicheren Gefilden ist. Bleibt zu hoffen, dass im Rahmen der neuen Bestimmung des Gebäudes, der Eingangsbereich mit Brunnen möglichst so erhalten bleibt. Die Idee, das Gebäude als eine Einrichtung mit betreutem Wohnangebot umzuwandeln, ist ausgezeichnet, denn sie entspricht einem öffentlichen Bedürfnis. Wer hätte noch vor einem halben Jahr gedacht, dass sich diese Lösung realisieren lassen würde?
 

Warum es schändlich wäre, die Alte Schule abzureißen /  Offener Brief an die Gemeindevertretung - denn niemand soll sagen können, er hätte nichts gewusst



Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre Entscheidung, Abriss der Alten Schule ja oder nein, steht an und wir frühren Ihnen vor Augen und treten den Beweis an, warum eine Entscheidung dafür schändlich wäre: Die „Alte Schule“ ist mit ihren Marmorarbeiten, der Bleiverglasung und den Fresken ein Kulturdenkmal für die Aufbauleistung nach dem zweiten Weltkrieg und in seiner Art einzigartig. Und wir werden Ihnen nachstehend darlegen, warum das so ist:

1. Geschichtliche Voraussetzung

Es ist heute mittlerweile anerkannt, dass auch die Aufbauphase nach dem 2. Weltkrieg, also die Zeit bis etwa 1970, inzwischen als abgeschlossene historische Epoche betrachtet wird, damit fällt das Gebäude mit Baujahr 1954 in diese Zeit.

2. Einzigartigkeit des Gebäudes

Das Gebäude befindet sich in einem sehr gutem Zustand, Sanierungen sind auch auf absehbare nicht erforderlich. Die Architektursprache entspricht der Wiederaufbauzeit. Was das Gebäude aber zu einem einzigartigen Monument macht, ist seine ganzseitige Bleiverglasung, die ohne Unterbrechung die gesamte Treppenhausfront und Gebäudewand überspannt, in zeitgenössischen Strukturen und Formen ausgeführt, welches man so nur von Sakralbauten her kennt. Es kennzeichnet das Erscheinungsbild des Gebäudes und ist hessenweit und vermutlich auch deutschlandweit ohne Beispiel. 

Über dem Eingangsbereich außen finden sich vier Kassetten mit 
seltenen Mosaik-Darstellungen aus heimischen Marmor, die einzelne glasartige erhabene Elemente aus einer glattgeschliffenen und polierten Oberfläche ausweisen. Diese Arbeit war, wie auch die gesamte Marmorausstattung, eine Gemeinschaftsarbeit der damaligen Villmarer Steinmetzetriebe. Ebenfalls in dieser Art einmalig.

 

3. Zeitgenössische Kunst am Bau durch ein großes intaktes Außen-Fresko und ein Innenfresko hessischer Künstler


Die Freskomalerei an der Stirnseite wurde von dem Bildhauer Walter Müller aus Wiesbaden geschaffen und von Josef Jost, Künstler aus Hattersheim, später farblich restauriert. Sie stellt den jungen Menschen, der das Schiff des Lebens betritt, dar und spiegelt den zeitgenössischen Stil in der Nachkriegskunst Deutschland . Ihr Zustand ist im Form- und Materialbereich als gut zu bewerten, lediglich die Farben zeigen eine leichte Verblassungserscheinung.

4. Die Innenausstattung kennzeichnet das Gebäude als einmaliges Zeitzeugnis durch ihre Marmorarbeiten, stellvertretend für das Wirken und Können vieler Villmarer Handwerks-Betriebe bis hin zur kunsthandwerklichen Ausgestaltung, stellvertretend für die Arbeit der zeitgenössischen Steinmetzetriebe mit Marmor aus Villmar, einer inzwischen abgeschlossenen Epoche

4.1 Grundstein

Neben dem Eingang  findet sich der Grundstein als Bildhauerarbeit, der die Weltkugel mit dem umlaufenden Schriftzug "Oribis Picutus erbaut 1954" ausweist, aus Villmarer Marmor und Villmarer Bildhauerarbeit.

4.2. Die Eingangshalle

 weist einen Boden mit sternförmig ausgekleideten Marmormosaik mit Fischen auf, in dessen Mittepunkt ein massiver großer Marmorbrunnen mit Säule steht. Die Arbeiten sind handwerklich brillant ausgeführt und befinden sich in gutem Zustand. Zum Material ist übrigens festzustellen, dass es nicht mehr gebrochen wird und damit nicht mehr zur Verfügung steht. Die gestalterische Planung des Eingansbereiches erzielt von den Farben, Mustern und der Ausführung her eine hohe ästhetische Wirkung. Der gute Zustand setzt sich auch fort in dem breiten

4. 3 Treppenhaus,

 was ebenfalls heimische Marmorauskleidung aufweist und im Licht einer ganzseitigen Bleiverglasung steht, die ebenfalls zeitgenössische Strukturen und Formen aufweist. Auffallend dabei sind die farbliche Abstimmung, welche eine hohe ästhetische Wirkung erzielt. Architektonisch ist das Treppenhaus von der Wirkung her mit nur einem Fenster, das durch keine störenden Elemente eine harmonisch wirkende Gesamtstruktur erzielt, gekennzeichnet. 

 Auf ausdrücklichen Wunsch der Villmarer Kommunalpolitiker, wurde im Jahre 1955 der Schenkungsakt als Fresko von Künstler Josef Jost, Hattersheim, im oberen Bereich des Treppenhauses ausgeführt. Josef Jost arbeitet u.a. am Frankurter Städel. Von ihm stammen Arbeiten an öffentlichen Gebäuden dieser Zeit, so z. B. in der Kirche St. Benedikt Berlin-Steglitz

 

4.4 Die weitläufigen Flure sind ebenfalls mit Marmor ausgekleidet und in hervorragendem Zustand, wie das ganze Gebäude.


Helfen Sie mit, dass das erhalten bleibt!


Mit freundlichen Grüßen

Martin Scheu