10.11.2019  Bild: VN
AfD-Kampagne „WirSindGrundgesetz“
oder was wollen Gauland und Meuthen wirklich?


Es geht also: Die Herren von der AfD-Bundesspitze schrieben alle Mitglieder persönlich per Mail an. „WirSindGrundgesetz“, heißt die Kampagne, die mit einem VS-Dunkelmann als Bild, der die Raute von Frau Merkel macht, den Mitgliedern auf die Bildschirme flatterte. Eine tolle Sache der zwei Bundessprecher? Endlich offensive Politik? Endlich Angriff? Ein Hauch von Kampf um die Deutungshoheit? „Sprechen Sie mit Ihrer Familie, mit Freunden, Bekannten und Kollegen. Machen Sie unseren Mitbürgern klar: Wir sind die Rechtsstaatspartei - Wir sind Grundgesetz! Und: Seien Sie versichert: Gegen die Instrumentalisierung des Verfassungsschutzes werden wir uns mit allen juristischen Mitteln wehren“. Fette Buchstaben, wie in der Originalmail stehen.
Nun kann man ja weder Jörg Meuthen noch Alexander Gauland unterstellen, dass sie naiv sind. Während Meuthen noch politisch relativ wenig Erfahrung hat, ist Alexander Gauland sogar ein alter Hase, in Sachen Politik. Er weiß garantiert, dass diese Kampagne politisch ein Witz ist, bestenfalls eine Mitgliederberuhigung durch Aktionismus. Nein, Blauäugigkeit scheidet bei beiden ganz sicher aus. Sie setzen auf die Naivität der Mitglieder und auf ihren Nimbus als politische Alpha-Tiere und die Fußtruppen der neuen politischen Korrektheit der „Alternativen Mitte“ in der Partei, die das Ganze schon als vermeintliches Husarenstück verkaufen werden. Anders ist die Offenheit nicht zu erklären, sich mit "allen juristischen Mitteln“ wehren zu wollen.
So dumm können die Herren gar nicht sein, um zu wissen, dass „juristische Mittel“ bei der Besetzung unserer höchsten Gerichte, ganz sicher die gleichen Erfolge der Mächtigen erzielen, wie sie selbst es gerade bei der Zusammensetzung des Bundesschiedsgerichtes vermutlich erfolgreich praktizieren. Denn was Recht ist, ist Auslegungssache, wie auch einfache Gemüter inzwischen an dem Beispiel erkennen können, dass die öffentliche Erklärung, dass die Deutschen Abkömmlinge einer Köterrasse wären, eben keine (!) Volksverhetzung ist.

Warum kein Kampf um die Deutung?

Was also treibt diese Parteispitze in Wirklichkeit um? Warum beginnt sie nicht den eigenen Kampf um die Deutung der Dinge und Werte unserer Verfassung, wie sie Bundestagsabgeordneter Marc Jongen am 05.04. dieses Jahres im Bundestag, als es doch um nichts Geringeres als die Fortexistenz des deutschen Volkes und seiner Kultur ging, vormachte? Warum haben die beiden Herren nicht diese Rede, per Rundmail persönlich an alle Mitglieder geschickt, wie jetzt, dieses Kasperletheater? Was also treibt diese beiden in Herren in Wirklichkeit ?