06.09.2019
Bild: VN

Welches Spiel spielt der Senior wirklich?

Will Alexander Gauland noch sein Land zurückholen, wie er es einst behauptete? Sicher kann man da nicht mehr sein. Warum fragt ihn das eigentlich keiner seiner Getreuen? Aber noch wichtiger: Warum fragt das eigentlich auch nicht der Mainstream? Gibt es da womöglich Rücksichtnahmen? So, wie sich Gauland mit dem Inlandsgeheimdienstchef vertraulich austauschte, was bis zur Veröffentlichung auch viele Mitglieder nicht für möglich gehalten hätten, könnte das auch ein abgekartetes Spiel sein.
Für Absprachen spricht auch die Nicht-Skandalisierungen einer Marc- Jongen-Rede durch den Mainstream im Gegensatz zum Dauerbrenner 180-Grad-Wende-Rede Höckes, die gegen Jongens Ungeheuerlichkeiten durchaus als „Mückenschiss“ gesehen werden könnte. Marc Jongen von der AfD-Bundestagsfraktion hat am 05.04.2019 nach dem Maßstab der politischen Korrektheit ganz sicher super- skandalös über Methode und Wirkung eines Kampfes zur geistigen Vernichtung des deutschen Kulturvolkes durch die Erinnerungspolitik gesprochen, siehe Video unten. Der Natur nach mit ungeheuerliche Äußerungen für alle Altparteien, deren Zwischenrufe u.a. auch klare Verbindungen zur Identitären Bewegung enthielten. - Ohne jegliche öffentliche Mainstream-Resonanz; aber auch ohne Positionierung von Gauland und Meuthen. Warum?
Ist das, was Jongen definierte, neben der Rückführung von illegalen Flüchtlingen, überhaupt noch Ziel der Parteispitzen oder nicht? Gauland hat gerade eine - nach den Strafgesetzen dieser Republik völlig untadeligen Kämpferin in Zielrichtung der zwei Punkte - wegen geschichtsrevisionistischer rechter Positionen aus der der Partei werfen lassen und spricht von der „falschen Fürstin“, weil sie mal einen bürgerlichen Geburtsnamen trug. Den hat Königin Silvia von Schweden auch: Silvia Renate Sommerlath. Und trotz seiner unfeinen gezielten Diffamierung, ganz wie Teile des Mainstream es auch tun, ändert es nichts an der Legalität ihres Namens „Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein“. Was soll dieses Kleinbürgerliche also? Tatsache ist: Doris Fürstin v. Sayn-Wittgenstein hat der AfD politisch nie geschadet, sondern nachweislich sogar genützt. Die Geschasste wurde ihrer Verdienste wegen trotz eines schwebenden Parteiausschlussverfahrens sogar von ihrem Landesverband als Chefin, gegen den Willen Gaulands und Meuthens, wiederwählt. Der Fall wurde - im Gegensatz zum Fall Björn Höckes und jetzt zunehmend Andreas Kalbitz - intern losgetreten.

Von Wittgenstein so radikal wie Adenauer!

Zweifellos ist von Wittgenstein radikal und kompromisslos, so radikal wie Konrad Adenauer einst bei seiner Ehrenerklärung an die deutsche Wehrmacht. Denn die Verfassung der Republik hat sich zwar in diesem Bereich nicht geändert, aber deren Deutung. Und Meuthen und Gauland deuten nicht selbst die roten Linien, sondern sie übernehmen sie von einer Behörde - die laut der eigenen AfD-Bundestagsabgeordneten gegen die AfD instrumentalisiert wird - immer dann, wenn es ihnen personal-strategisch beim Umbau der AfD in eine Konsens-Partei zu passen scheint. Gegen den Willen der Basis? Sie wird jedenfalls erst gar nicht gefragt.

Noch hält Gauland scheinbar die Hand über Kalbitz. Allerdings verorten wir Gauland - auch aufgrund seiner Kehrtwendung in Sachen Höcke, dem er Fahnenaufzüge, wie letztens beim Flügeltreffen und sogar Höcke-Fan-Artikel verbieten will, Richtung Umbau. Das Ganze übrigens ganz im Sinne der „AM-Unterschriftenaktion der 100“. Auch, wenn er die Aktion nicht unterschrieb und angeblich nicht gut fand.
Waren der „Vogelschiss“, seine Positionierung in Sachen der Wehrmachtssoldaten oder die Parole „ Unser Land zurückholen“ womöglich nur politisches Mittel zum Zweck? Meuthen, das darf heute jedenfalls als gesichert gelten, hatte letzteres noch nie wirklich gewollt.