05.02.2020

Landesparteitag BW: Weidel & Hess
...  eine politische Mogelpackung?

Spaniel hat eine gute Chance, wenn...

"AfD-Chef Meuthen will Funktionären Maulkorb verpassen" titelte der „Tagesspiegel“. Selten war er treffender. Nicht nur Jörg Meuten tritt einer radikalen Regierungspolitik weich und defensiv und vor allem scheinbar ohne den „Mut zur Wahrheit“, den die AfD als Markenzeichen hatte, entgegen. Meuthen, der im eigenen Wahlkreis kein Fuß auf die Erde bekam, weil er für die Mitglieder dort noch nicht einmal zum Delegierten qualifiziert war, der mit seiner Spalter-Rede auf dem letzten BW-Parteitag unvergessen bleiben wird, hat mittlerweile zur Sicherung seiner politischen Zukunft einen andern Kreisverband gewählt und steht unter Beschuss: Gerade berichtete die „Mitteldeutsche Zeitung“ über den öffentlichen Vorwurf von elitärem Verhalten und Verachtung für die ostdeutschen Wähler durch den Thüringer AfD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Pohl, Jörg Meuthen verdiene 15.000 Euro im Monat und müsse nur überlegen, ob er sein Geld „in Gold, in Aktien, in Renten“ anlege. Seine damalige Verbündete Alice Weidel wird nun zusammen mit Martin Hess auf dem Sonderparteitag in Böblingen antreten, um zu vollenden, was Meuthen nicht gelang. Dass das Gespann nur eine politische Mogelpackung sein kann, scheint auf der Hand zu liegen: Alice Weidel hätte gar nicht die Zeit, in den Niederungen der Landespolitik zu flanieren, ist sie doch stellvertretende Bundessprecherin und leitet gemeinsam mit Gauland die Bundestagsfraktion. Eher scheint sie das trojanische Pferd für Hess. Der gehört der im September 2018 gebildeten AfD-Arbeitsgruppe an, die Strategien entwickeln soll, um eine Beobachtung der Partei oder einzelner Mitglieder und Gruppierungen durch die Verfassungsschutzämter abzuwenden, so Wikipedia. Diese Gruppe - geistige Zelle der neuen politischen Korrektheit in der AfD - und Garant für die neue Zwiespältigkeit der Bundesleitung, die zwar öffentlich von einer Instrumentalisierung des Verfassungsschutzes gegen die Partei spricht, aber genau diesen benutzt, um unliebsame Parteimitglieder zu schassen, indem sie die Deutung des Inlandsgeheimdienstes zur Verfassung übernimmt.

Die AfD-Führung lehnt den eigenen Kampf um die Deutungshoheit ab; kämpft nicht für die Menschenwürde von Deutschen, die durch die deutsche Oma als „Umweltsau“ genauso verletzt wird, wie die straflose Behauptung, die Deutschen wären Abkömmlinge einer Köterrasse. Auffallend auch in dem Zusammenhang: Welche Rolle spielt eigentlich die Desiderius-Ersamus-Stiftung in Baden-Württemberg oder warum wirbt Frau Dr. Steinbach, die Chefin der AfD-Stiftung, öffentlich für das Tandem?

Dirk Spaniel
hat eine gute Chance wenn...
Bild VN

Nun sind die Baden- Württemberger helle Leute mit dem Hang, sich das Maul nicht verbieten zu lassen. Dirk Spaniel ist so einer, der freilich ein Problem hat: Er ist kein Schauspieler und er ist ein Mann der klaren Worte. Er ist deshalb zwangsläufig ein Stachel im Allerwertesten der Karrieristen, Leisetreter und Veränderer der Partei auf Kosten der Wahrheit.

Wenn Spaniel es schafft,
den Delegierten die Zusammenhänge aufzuzeigen und den Kampf um die Deutungshoheit, gerade bei seinem Auftritt vor dem SWR klarzumachen, wenn er es schafft zu vermitteln, dass Satire eben nicht alles darf, sondern ihre Grenze im Angriff auf die Menschenwürde findet, kann er die Delegierten überzeugen und andere demaskieren. Denn „Satire“ ist in diesem Zusammenhang nur eine Ausrede, die aber nur deshalb funktionieren kann, weil sie von der AfD-Führung hingenommen wird. Hierin liegt der eigentliche Skandal.