24.12.2019 Bild: VN, Alexander Gauland

Gaulands Spiel: Die domestizierte AfD
oder manchmal sind „Spiegel“-Artikel aufschlussreich

Gerade hat der „Spiegel“ Alexander Gauland als „Möchtegern-Genscher“ verortet, der als Ehrenvorsitzender die Fäden ziehen will ohne die Amtsbelastung, die die von ihm gehasste von Sayn-Wittgenstein ihm beschert hatte; nur wegen ihr hatte er sich ja widerwillig als Bundessprecher das vorletzte Mal als Kompromisskandidat wählen lassen. Das hat er ihr nie verziehen.
Gauland: Der Mann im Hintergrund, an dem nichts vorbeigeht, mit heimlicher, fast omnipotenter Macht; da ist was dran. Aber das wirklich Interessante am Spiegelartikel ist der Hinweis auf das Hintergrundgespräch zu dem Gauland und Weidel Journalisten eingeladen hatten. Und der „Spiegel“ wird deutlich: Zitiert werden dürfe aus diesem Treffen nicht wie bei anderen Parteien auch. Das Ganze diene nur der "Einschätzung der Medienschaffenden" so der „Spiegel“.

Damit ist klar, was läuft. Gauland schenkt der Presse Vertrauen. Dieser Presse, die Tag für Tag zeigt, was sie von der AfD hält. Hat der alte Mann vergessen, in welcher Situation und Entwicklung dieses Land und Europa ist? Und was glaubt er denn, mit seinem Kurs wann und wie erreichen zu können? Es geht hier um ein dickes Brett, was es zu bohren gilt, was mit seinen Erfahrungen aus der CDU-Politik nicht erreichbar wäre.
Halten wir mal fest: Auf der einen Seite erklären Gauland und die AfD-Führung, dass der Verfassungsschutz instrumentalisiert ist und gegen die AfD arbeitet, weil er die Verfassung so auslegt, wie es von der Regierung gewünscht wird; auf der anderen Seite wollen weder Gauland noch die AfD-Führung eine eigene Auslegung der Verfassung betreiben, was ein Kampf um die Deutungshoheit wäre. Gleichzeitig führt Gauland „Hintergrundgespräche“ mit einer Presse, die nichts anderes im Sinn hat, als der Regierung zunutze zu sein. Wer wollte letzteres bestreiten?
Wann bekommt der alte Mann die alles entscheide Frage von seinen Mitgliedern gestellt, wie er, der große Macher, denn sein Land zurückholen will? Oder hat er das schon abgehakt? Was hofft der „Möchtegern-Genscher“, wie der „Spiegel“ ihn beschreibt, konkret und ernsthaft mit einer CDU-Regierung politisch in den kulturellen und wirtschaftlichen Überlebensfragen der Deutschen erreichen zu können? Und warum traut sich keiner in der AfD das öffentlich zu hinterfragen?
Was wir erleben, scheint nicht anderes zu sein, als das, was Wolfgang Kubicki schon im April 2019 gegenüber der „Welt“ zur AfD äußerte: "Nach fast 30 Jahren im Parlament weiß ich: Das parlamentarische System wird sie über kurz oder lang domestizieren und schließlich auffressen.“

Eigenlob Gaulands

Der Bremsklotz Björn Höcke mit seinem Flügel sind aus dem Weg geräumt. Gaulands Lob für Höcke, weil dieser im November der CDU und der FDP in Thüringen eine "von meiner Partei unterstützte Minderheitsregierung" als Alternative zu Rot-Rot-Grün anbot, scheint in Wirklichkeit ein Eigenlob Gaulands und eindeutiges Zeichen zu sein, dass Höcke eingehegt ist. Das Fatale: Kubicki scheint Recht zu behalten und Deutschland und Europa scheinen weiter in den Abgrund zu gehen, mit Hilfe einer domestizierten AfD. Dieser Prozess, das darf als sicher gelten, wird im intelligenten Wechselspiel durch "Hintergrundgespräche" künftig mit dem Mainstream und dem Inlandsgeheimdienst laufen. Darin ist der Senior ja geübt, wie das bekannte Hintergrundgespräch zwischen Gauland und Maaßen, als dieser noch in Amt und Würden als Chef des Bundesverfassungsschutzes war, gezeigt hat.