15.05.2019
Björn Höcke; Bild VN
 

Der "Flügel" wird geschlachtet
und alle schauen zu?


Auch Patrioten sind, wie jeder Mensch, erpressbar. Auch solche, die stramm patriotisch, bislang mit "dem Helm zur Not" dahergekommen sind. Patriotisch sein, ist eine Kombination von Liebe und Verstand. Beides sind keine Konstanten. Gesinnungen ändern sich, manchmal auch mit schlechtem Gewissen. Dann, wenn Liebe zum Eigenen im Vordergrund stand, ist das so. Doch zurück zum Flügel und seinen Patrioten, von denen keiner merkbar aufmuckt, obwohl das Messer immer näher kommt. Wie ist das zu erklären?
Es läuft sowohl verbal, aber ganz arbeitsam an der Basis der Kampf der AM-ler gegen den Flügel und Björn Höcke schweigt. Selbst gegen ihn selbst, unterschwellige und auch offene Maulwurfarbeit und Höcke schweigt. Wie ist das zu erklären?
Hat er aufgegeben, wickelt er nur ab? Das würde zu ihm nicht passen. Davon ist nicht auszugehen. Aber er fährt mit gebremsten Schaum, hat Berater. Die haben ihm unter anderem geraten, lieber ohne Krawatte aufzutreten. Damit, so ist zu befürchten, fing das Dilemma an. Anstatt sich auf seinen scharfen Verstand und seinen Bauch zu verlassen, hört Björn Höcke offensichtlich auf Dritte.
Anstatt die unübersehbaren Zeichen des politischen Verrates von mindestens einem engen Weggefährten, mit dem Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, zu erkennen, scheint er einen verhängnisvollen Weg eingeschlagen zu haben. Jetzt rächt es sich auch, dass der "Flügel" ohne Knochen ist: Ohne wirkliche Aufbau-Organisation und personelle Zuständigkeiten. Die wurde zwar versucht, inzwischen irgendwie zusammenzuzimmern, aber auch teilweise mit zur Führung suboptimalen Leuten und: vor allem zu spät.
Das Fatale allerdings scheint, dass Björn Höcke den Verrat in den eigenen Reihen scheinbar eben nicht erkannt hat. Er traut scheinbar immer noch solchen, die inzwischen unübersehbar zu der AM übergelaufen sind, nicht durch Worte aber durch Verhalten. Er hört scheinbar auch auf einen "politischen Messias", der keiner ist, der auch nur mit Wasser kocht. Es ist müßig, zu spekulieren warum, denn nur das Ergebnis zählt.
Es wirkt verhängnisvoll, dass die Berater um Björn Höcke, allen voran ein Thinktank, die Wirkungs- und Regelungsmechanismen des Systems offensichtlich nicht wirklich begriffen haben. Dabei könnten auch rechte Eliten durchaus von einem Linken Professor etwas lernen: Mausfelds Analysen wären auf Youtube auch ihnen zugängig. Es liegt alles offen, anstatt päpstlich im Elfenbeinturm seine heile Neu-Rechte Welt zu pflegen.
Noch hält Alexander Gauland Björn Höcke die Stange. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser sich aufs Altenteil zurückzieht. Sollte kein Wunder geschehen, wird Björn Höcke als tragische Figur in die Geschichte eingehen.
Das mag alle AM'ler freuen. Nur haben sie nicht begriffen, dass die AfD ihre historische Mission "Land und Volk zurückzuholen" mit ihrer Politik nie schaffen kann, weil sie das System nicht begriffen hat, was FDP-Mann Kubicki so treffend beschrieben hat. "Nach fast 30 Jahren im Parlament weiß ich: Das parlamentarische System wird sie über kurz oder lang domestizieren und schließlich auffressen".
Die AfD wird zwar möglicherweise mehr Wähler bekommen, aber nichts wirklich verändern, den Niedergang aufhalten können, schon deshalb, weil sie Zugeständnisse machen wird, die diametral zu Marc Jongens Ausführungen im Bundestatgag zwangsläufig stehen werden müssen.
Den Karrieristen, die die AfD als Geschäftsmodell schon jetzt erfolgreich betreiben, ist das freilich nur Recht. Der Umgang mit der Rede von Marc Jongen wird zum Lackmustest der Parteiführung. Jörg Meuthen, steht zu befürchten, wird hierzu erst gar keinen Zugang haben.