10.05.2019
Nach der EU-Wahl

Das Ende vom Flügel in der AfD?
Und ein metaphysisches Fragezeichen

Die Zeichen verdichten sich, dass nach den Europawahlen der Flügel in der AfD entweder mit wehendem Flügel den Kurs der Alternativen Mitte einschlägt oder gebrochen wird.
Im Herbst wird in drei Bundesländern des Ostens gewählt, am 01. 09. in Brandenburg und Sachsen und am 27.10. in Thüringen. Der sich abzeichnende Erfolg der Flügelleute als Mandatsträger wird als Hindernis beim Umbau der Partei beseitigt; dafür heiligt der Zweck die Mittel.
Hebel und Triebkraft ist der Bericht des Bundesverfassungsschutzes. Der Diskurs unter den Mitgliedern läuft zunehmend in Bandbreite der neuen AM-Korrektheit. Alexander Gauland sprach mit dem ehemaligen Chef des Bundesverfassungsschutzes. Gespräche mit seinem Nachfolger wären also nichts Neues.
Auch sich patriotisch Gebärdende, die sich im EU-Parlament den eigenen Ast absägen wollen, um Deutschland zu retten, treten nun schon mal unter einem weichgespülten Plakat-Werbeslogan an - man ist auf Linie.
Der "Flügel" wurde von den Umbauern der AfD in fröhlichem Einklang mit dem Mainstream, als angebliche Gefahr aufgebaut, als "Partei in der Partei", der er nie war und mangels Instrumente auch nie sein konnte. Patriotismus allein ersetzt eben keine Grabenkampftaktik, Strippenzieher-Technik oder politische Verschlagenheit, wie es z.B. die Profis in der AfD beherrschen, die ihr Handwerk in den Altparteien gelernt haben.

Metaphysisches Fragezeichen

Die Sicherung der Existenz des deutschen Volkes sollte doch Priorität dieser Partei vor allem anderen haben. Sollte man meinen. Genau darum ging es bei der im Bundestag von Marc Jongen am 5.4.2019 vorgetragenen Rede im Zusammenhang mit der "Erinnerungspolitik", wie Jongen es nennt. Erstmals im hohen Hause wurde Methode, Wirkung der bisherigen Politik  und eine neue Deutung dessen, was Ziel von
"Erinnerungspolitik" sein müsste, beschrieben. Diese Steilvorlage im laufenden Richtungskampf innerhalb der Partei wurde und wird nicht einmal genutzt. Steilvorlage auch deshalb, weil der Vortrag von einem Politiker kam, der nicht im Verdacht steht, eben dem "Flügel" anzugehören. Die Protagonisten des Umbaus hätten sich dem Diskurs stellen müssen. Immerhin geht es  u. a. um Gefahren wie Jongen es formulierte: "den Daseinswillen der Deutschen als Volk und Nation zu brechen".
Dass diese Parteiführung das Thema scheut, ist für uns mittlerweile keine Überraschung mehr. Dass aber nicht ein einziger Patriot in Führungsfunktion diesen politischen Elfmeter getreten hat, lässt Schlimmes ahnen.

Jongen hat Parteigeschichte geschrieben und für Klarheit gesorgt, gleichzeitig aber ein großes metaphysisches Fragezeichen aufgestellt, weil seine öffentlichen Ausführungen im Bundestag viel weiter gehen, als Höckes "180 Grad-Wende-Skandal-Rede". Mittlerweile hat die Rede über 121.352 Aufrufe auf Youtube. Trotzdem findet das Ganze völlig ohne Mainstream-Widerhall statt, ganz ohne jeden Protest - warum wohl?
Spätestens wenn Jongen widerruft oder ein Parteiausschlussverfahren bekommen sollte, besteht endgültig Klarheit. Aber, vielleicht redet man auch ganz einfach nicht mehr drüber.