20.12.2019 Bild: VN

Nicht auf den Leim gehen
Alice Weidel und Jörg Meuthen
sind politische Zwillinge

Das Strickmuster ist gleich: Alice Weidel fuhr nicht ohne Grund zu Björn Höcke. Und Jörg Meuthen hatte seinen letzten Skandalauftritt beim AfD-Landesverband Baden-Württemberg ganz öffentlich mit Alice Weidel abgestimmt, das Mobilisierungs-Video dazu ist noch frisch in Erinnerung. Beide verbindet übrigens politisch viel - auch bislang ungeklärte Spenden-Geschichten aus dem Ausland. Scheinbar besteht in der Partei kein wirkliches Interesse an der Aufklärung, von wem und warum denn da soviel Gutes persönlich zugewandt wurde.
Auch der Mainstream hält sich zurück, reitet nicht mehr darauf herum. Immer verdächtig. Nun soll Alice Weidel es richten. Unser guter Immanuel Kant zeigt allerdings auch diesmal AfD-Mitgliedern den Weg, sofern sie es denn wollen. Und das losgelöst von den Drahtziehern in der Partei, die inzwischen so gut aufgestellt sind, dass sie jedenfalls offiziell die AM beerdigen konnten.

Es gilt, das Ziel zu erkennen

Dabei spricht schon die Berichterstattung in der „Stuttgarter Zeitung“ für sich. Hier die gemäßigte Weidel und dort der Machtpopanz Flügel, der tatsächlich nie operativ gewirkt hat, allein schon mangels fehlender Organisationsstrukturen. Ein gängiges Klischee, "Framing".

Die Niederlage von Jörg Meuthen im eigenen Kreisverband hatte nichts mit einer Flügelhandlung zu tun, sondern war ausschließlich der persönlichen Erkenntnis, der persönlichen Erfahrung und der politischen Wertung durch Mitglieder vor Ort geschuldet. Jörg Meuthen hatte dort verspielt, bekam nicht mal sein Delegiertenmandat zum letzten Bundesparteitag. Nun soll es Alice Weidel richten, Ende Februar in Kehl beim Sonderparteitag. Alle die, die den Mut zur Wahrheit auf dem Altar der Mäßigung opfern und keinen Kampf um die Deutungshoheit führen wollen und jene, die denken lassen oder die die AfD zum Geschäftsmodell gemacht haben, werden sich freuen.
Aber, wem es um die Sache geht, der sollte selbst denken und nicht vordenken lassen. Er sollte sich auch von keinen platten Schachzügen, die nur Sand in die Augen streuen sollen, täuschen lassen, wenn z.B. BW-Landespolitiker oder Alice Weidel auf Patriotismus machen, so wie Jörg Meuten seinerzeit bei seiner Bewerbungsrede zum AfD-Chef

Mit Weidel wäre der AfD-Umbau auch in BW perfekt!

Viele Mitglieder begreifen nicht, dass die Politik in der AfD nicht von Curio, Baumann, Jongen, Brandner, Miazga, Spaniel, Seitz, HJ Müller usw. gemacht wird: Jedes im Bundestag gesprochen Wort, das die Massen nicht erreicht, ist wirkungslos. Ganz einfach weil die AfD bis heute kein eigenes professionelles Medienorgan hat. Das ist kein Zufall, auch keine Dummheit oder Unfähigkeit. Dahinter steht Absicht, wenn man die Zusammenhänge begreift. Und es fing schon direkt nach der Bundestagswahl an, als Thorsten Schulte geschasst wurde. Schulte ist nicht irgendwer. Ohne Grund wurde er erst gar nicht eingestellt, obwohl versprochen. Es lag in seiner Person begründet, hieß es. - Wirklich? Oder passte er nicht, weil er zu unabhängig war? Noch das Land zurückholen wollte? Dazu passt: Ein "Newsroom" der AfD war geplant, für die eigene Berichterstattung für und über die Partei. Er sollte das Deutungsmonopol des gegnerischen Mainstreams brechen. Er wäre nach wie vor die unverzichtbare Voraussetzung, politische Wirkung bei den Massen zu erreichen. Genau das, auch Massen-Mobilisierung, will dieser Vorstand, wollte Weidel nicht; von an Anfang an war es ihre Politik. Sie setzt auf Regierungsbeteiligung irgendwann, die politisch niemals das Rad zurückdrehen könnte. Eine verführerische Scheinlösung für einfache Gemüter, bestenfalls, aber nicht zu Ende gedacht.
Die weitere Verschlechterung der gesellschaftlichen Rahmenbedingen wird zwar für Zulauf bei der AfD sorgen; nur wird diese Politik nichts am weiteren Niedergang ändern. Für diese Politik steht Alice Weidel, auch wenn sie patriotische Töne anschlagen sollte.
Mit Alice Weidel wäre dann die AfD Baden-Württemberg auch abgearbeitet, umgebaut, egal was die Fraktion in Berlin macht. Genau das scheint das Ziel, Parteiausschlüsse inbegriffen.