16.03.2018
Lenz scheut die Offenheit, wie der Teufel das Weihwasser!
Fragwürdiger Umgang mit Bevölkerung, Beigeordneten, Gemeindevertretern, Geschichte
Von Volker Bayer

Wer kennt das nicht: Man ist einer fremden Stadt oder Ort und bei einem Rundgang entdeckt man Hinweistafeln auf die alte Stadt- oder Ortsbefestigung oder auf nicht mehr vorhandene Gebäude, man findet Modelle wie die Stadt oder der Ort einmal ausgesehen hat. All dies oftmals belegt mit Fotos und Rekonstruktionszeichnungen. Das Ganze sehr informativ dargestellt,  ermöglicht einen schnellen und einfachen Blick in die Geschichte. Wer diese Tafeln aber genauer in Augenschein nimmt, findet oftmals irgendwo Hinweise wie: Erstellt durch ..., auf Grundlage der Nachforschungen von .... mit Unterstützung des... etc. und als Mitwirkende oder Stiftende  sind dann meistens  Fachbehörden benannt. Man will es  womöglich im Villmarer Rathaus nicht glauben, aber so was geht! Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass man die Fachbehörden auch mit einbindet.
Man stelle sich vor: Eine Gemeinde mit einer Geschichte von fast 1000 Jahren, gräbt sich einmal quer durch den historischen Ortskern, ganz unbedarft, in der Meinung, auf keine  geschichtlich relevanten Zeugnisse zu stoßen. Gibt es nicht? Doch, in Villmar: Da  bewegt man sich genau in den alten Leitungstrassen, so die Aussage aus der Verwaltung und meint scheinbar, der Baggerfahrer trifft auf den Millimeter genau die alte Grube, kann gar nichts beschädigen, an möglichen, historischen Relikten. Dummes Zeug? Nein! In  Villmar glaubte man das offensichtlich im Rathaus. Folgerichtig wurde auch nicht das Landesamt für Denkmalpflege von Anfang an miteingebunden.
Lassen wir mal den bereits abgeschlossenen Teil der Sanierung außen vor, aber auch hier ist man wahrscheinlich auf historisch relevante Gebäudereste gestoßen. Aber nach alter Manier, aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, dürfte man das Ganze vermutlich lieber schnell verfüllt haben, bevor es jemand  merkte.

Offenkundige Rechtsbrüche

Doch kommen wir nun zur „Wiesentor Pforte“: Hier wurde die Verwaltung bereits im Oktober des vergangenen Jahres von einem sachkundigen Heimatforscher drauf aufmerksam gemacht, dass man mit größter Wahrscheinlichkeit hier auf Gebäudereste stoßen würde. Was veranlasst nun der Verantwortliche im Villmarer Rathaus: NICHTS! Allerdings hätte spätestens jetzt die Fachbehörde mit eingeschaltet werden müssen. Auch für Villmar gilt das Hessische Denkmalschutzgesetz. Aber hier lässt man die Baufirma einfach weitergaben, ohne auf die gesetzlichen Bestimmungen Rücksicht zu nehmen. Ist unser Bürgermeister nicht auch Volljurist?
Von jedem Häuslebauer erwartet man (siehe gültige Bebauungspläne): Wenn bei Erdarbeiten Bodendenkmäler, wie Mauern, Steinsetzungen, Bodenverfärbungen und Fundgegenstände, wie Scherben, Steingeräte und Skelettreste, entdeckt werden, so sind diese nach § 21 HDSchG unverzüglich dem Landesamt für Denkmalpflege in 65203 Wiesbaden - Biebrich zu melden. Funde und Fundstelle sind in unverändertem Zustand zu erhalten und in geeigneter Weise bis zu einer Entscheidung gem. §§ 5 und 21 HDSchG zu sichern.
Aber: Statt zu melden und zu sichern, macht man noch pressewirksame Begehungen, auch im Bereich der „Wiesentor Pforte“. Durch den Bericht hierüber in den VN, fragte ich einfach mal bei der Fachbehörde nach, ob dieser Fund bekannt ist. Leider nein. Und das offizielle Villmar lässt fast noch 2 Arbeitstage verstreichen bis diese Meldung erfolgt. Alleine gegen den §21 Denkmalschutzgesetz wurde mehrfach verstoßen.
Wer Bodendenkmäler entdeckt, hat dies "unverzüglich" der Denkmalfachbehörde anzuzeigen: Wurde nicht gemacht, dies wäre Aufgabe der Baufirma gewesen. Sie hätte sich natürlich hierbei des Gemeindebauamtes bedienen können.
Nach dem Gesetz hätte auch die Anzeige gegenüber der Gemeinde oder der Unteren Denkmalschutzbehörde erfolgen können; diese hätte diese unverzüglich der Denkmalfachbehörde gemeldet. Nur: Was nutzt eine Fundmeldung bei der Gemeinde wenn es da keinen interessiert und keiner weiß wie damit umzugehen ist. Fest steht: Anzeigepflichtig sind die Entdeckerin oder der Entdecker, die Eigentümerin oder der Eigentümer des Grundstücks sowie die Leiterin oder der Leiter der Arbeiten, bei denen die Sache entdeckt worden ist. Zusammengefasst: Die Baufirma als Entdeckerin blieb untätig. Die Eigentümerin oder der Eigentümer des Grundstücks, wohl der Marktflecken Villmar, wer sonst, hat nichts unternommen. Sowie die Leiterin oder der Leiter der Arbeiten, soweit erkennbar das Gemeindebauamt, hat auch keine erkennbare Aktivität entwickelt. Aus diesen Gründen blieb dem Landesamt nichts anderes übrig, wie erstmal einen Baustopp auszusprechen.

Umgang mit dem Denkmalschutz war dumm,
verantwortungslos und zum Nachteil von Villmar


Wer meint, schlimmer kann es nicht kommen, der lasse sich überraschen: Zuerst einmal kam es dann am vergangen Freitag zu einem Ortstermin, zudem neben der zuständigen Bezirksarchäologin die untere Denkmalbehörde und Vertreter von archäologischen Fachfirmen geladen waren. Da ich derzeitig mit dem Landesamt für Denkmalpflege in verschiedenen Projekten in engem Email- und Telefonkontakt stehe, war ich auch über diesen Ortstermin informiert. Die zuständige Bezirksarchäologin begrüßte es, wenn es meine Zeit zulässt, dass ich an diesem Termin teilnehme.
Nach nunmehr über 19 Jahre ehrenamtliche Zusammenarbeit mit dem Landesamt, kennt man sich, spricht in Sachen Bodendenkmäler fast die gleiche Sprache und ich bringe als Einwohner aus der Gemeinde Villmar einiges an Ortskenntnisse mit, die der Bezirksarchäologin fehlen (immerhin ist sie für 3 Landkreise zuständig).

Ein bezeichnender Vorgang

Also nimmt man sich die Zeit, setzt sich in Auto, fährt nach Villmar und wenn man schon mal da ist, erledigt man noch schnell was im Rathaus. Hier begegnete mir Bürgermeister Lenz und er fragte ob man sich gleich bei dem Ortstermin sieht. Auf mein „ja“ kam keine weitere Bemerkung von ihm. Ich verließ das Rathaus, wechsle noch ein paar Worte mit der Bezirksarchäologin und der Orttermin begann.
Nach einem kurzen „Hallo, schön, dass sie alle gekommen sind,“ fuhr der Bürgermeister mit den Worten fort: „Ich als Hausherr hier auf dieser Baustelle verweise die Privatperson Volker Bayer von derselben.“
Es gab ein paar verdutzte Blicke, aber ich entferne mich von der Baustelle. Urs Datum, ebenfalls vor Ort, passiert dasselbe. Wer gedacht hat, in Villmar gilt deutsches Recht, sah sich eher in Syrien verortet: Auch das Fotografieren verbot Bürgermeister Lenz, indem er versuchte, das mit dem Recht am eigenen Bild zu begründen. Nun ist er zweifellos eine Person des öffentlichen Lebens, bei der dies nicht gilt. Aber es wirft ein fragwürdiges Licht: Kann ein Volljurist in Unkenntnis hierüber sein? Oder gelten in Villmar andere Gesetze?  Wie auch immer: Diese lächerliche  Begründung ist nun offenbar. Allerdings: Man weiß ja nicht, was es sonst noch zu verschleiern gab, dass man uns nicht dabeihaben wollte. Wie auch immer: über das Ergebnis wurde ich seitens des Landesamtes trotzdem kurz informiert.

Lenz informierte Entscheidungsträger mehr fragwürdig

Wer nun meint, der Bürgermeister sei einsichtsfähig, würde nun offen mit der Sache umgehen, der irrt. Diese Woche erreichten mich per Email und Telefon Rückfragen von Beigeordneten des Marktfleckens, weil ihnen wieder mal eine nichtsagende und mit Falschaussagen voll gestopfte Beschlussvorlage zugeschickt wurde. Hier nur mal 2 Beispiele:

  • "Die Denkmalschutzbehörde hat uns zwei in Betracht kommende Ingenieurbüros mitgeteilt.“

    Zum einen handelt es sich nicht Ingenieurbüros, sondern archäologische Fachfirmen. Zum anderen lag dem Marktflecken ein Liste mit deutlich mehr Firmen vor, als in der Entscheidungsvorlage aufgezählt (für jedermann im Internet zugänglich: hier ), diese habe ich selber in der Verwaltung gesehen.

  • Bei Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt Villmar wurden am Freitagnachmittag, dem 02.03.2018 Mauer- und Gewölbereste vorgefunden. Es wurden am Montag und Dienstag die Denkmalschutzämter in Limburg und Wiesbaden informiert. Die Arbeiten am Bau waren ab dem 05.03.2018 eingestellt.“
     

  • Was wirklich passierte, war folgendes: Frau Lydia Aumüller hat bereits am Donnerstag, dem 22.02. Bilder von dem Gewölbe gemacht. Da war das Gewölbe schon offen. Auf die Mauerreste vom Haupttor ist man schon deutlich früher gestoßen. Dr. Bernold Feuerstein erfuhr am Freitag, dem 23.02. davon. Das große Schaulaufen fand am So. 25.02. mit dem halben Gemeindevorstand und dem Herrn Bürgermeister statt. Meldung durch mich, Volker Bayer, an das Landesamt für Denkmalpflege erfolgte am Mo. den 26.02. um 7.36 Uhr. Der Bauamtsleiter machte erst am Di. den 27.02. Meldung nach Wiesbaden. Das ganze also verschleiert in der Vorlage: „wurden am Freitagnachmittag, dem 02.03.2018 Mauer- und Gewölbereste vorgefunden."

So geht man also als Rathaus-Chef mit Ehrenamtlichen um: Nichtssagende und falsche Beschlussvorlagen abliefern. Aber ganz offensichtlich: Die Entscheidungsträger müssen ja nicht alles wissen!

Fakt ist: Sämtliche Freilegungsarbeiten, die jetzt wegen der gesetzwidrigen Verfüllungen nötig werden, kosten die Gemeinde Villmar Geld und auch die Bauverzögerungen sind nun größer und wären durch eine ordentlichen Behandlung durch den Bürgermeister nicht nötig gewesen.
Nur von Tourismus und Gemeindemarketing reden kann jeder, sich aber mal klare Zielsetzungen hierzu zu geben, beim Villmarer-Rathauschef Fehlanzeige! Diese Arbeit überlassen wir anderen. Wir gründen mal schnell Arbeitskreise unter dem Motto: „Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründe ich einen Arbeitskreis.“


Liebe Villmarer,

auch wenn einige von Ihnen der Kandidat Matthias Rubröder vielleicht zu jung erscheinen mag, kann ich Ihnen nur ans Herz legen:
 
Gehen Sie wählen!

Geben Sie mit Ihrer Stimme dem Kandidaten Rubröder die Chance, mit seinem „jugendlichen Elan“, alte verkrustete Strukturen aufzulösen. Er kümmert sich sicher um die Dinge besser, als bisher!

Villmar braucht und hat eine Chance!

Ihr
Volker Bayer