Villmars Hausberg, einzigartiges Kultur- und Bodendenkmal der Lahn-Taunusregion
Warum der Galgenberg eigentlich
"Duneberg" heißen müsste
Wird die zweitausendjährige keltische Kulturstätte und historische Blut- und Hexengericht, zum Tauschobjekt von Finanzspekulanten für ein subventioniertes Wind-
Industriegebiet?

von Urs Datum

Bürger, Wanderer, Naturfreunde, Touristen und Freizeitsportler kennen die markante Anhöhe über der Lahn und dem Laubustal. Eine weithin sichtbare Landmarke mit herrlichem Fernblick ins Lahntal, auf die Höhen des Westerwalds und zum Feldberg-Panorama des Hochtaunus.

Der Hausberg von Villmar ist nicht nur ein geschätztes Freizeit- und Erholungsgebiet der Lahn-Taunusregion, sondern bietet auch Naturfreunden, Freizeitsportlern, Pferdeliebhabern und Heimatforschern reichlich Stoff zum erkunden, entdecken und erzählen.
Viele Bürger von Limburg, Runkel, Villmar bis nach Weilburg, rechts und links der Lahn, selbst Leute aus dem Goldenen Grund, dem Rhein-Main-Gebiet und aus weit größerer Entfernung kommen regelmäßig zum bekanntesten Berg von Villmar: Der Galgenberg.

Ein makabrer Name, triefend von Blut, Folter und grausamerer Gerichtsbarkeit. Dabei lenkt der Name des historischen Richtplatzes von Villmar und Kurtrier von der ursprünglichen Bezeichnung des Berges völlig ab. In alten Urkunden des Hessischen Staatsarchivs in Wiesbaden stößt man auf den eigentlichen Namen der Anhöhe: Duneberg.

Der Villmarer Ortsteil Weyer, eine archäologisch erwiesene Siedlung von Kelten und Römern, wurde noch bis vor 200 Jahren als Weyer am Duneberg bezeichnet. Das keltisch/römische Weyer (Villare, engl. village, Dorf, Siedlung) führt zu den Wurzeln unseres heimischen Kulturerbes und regionalen Ortsbezeichnungen, die in Aumenau (Amana = Fluss, keltisch) einen weiteren Bezug zur römisch/keltischen Siedlungsperiode in der Großgemeinde Villmar findet.

Der keltische Duneberg ist unser heutiger Galgenberg. Das scheint den meisten Bürgern von Villmar kaum bewusst zu sein. Die Namensverwandtschaft des heimischen Duneberg mit dem weit berühmteren Donnersberg in der Pfalz oder dem Dünsberg bei Wetzlar / Gießen dürfte aber selbst Laien einleuchtend sein.

Von den erstaunlichen Ausgrabungen bei Waldgirmes oder direkt am Dünsberg / Biebertal werden ebenfalls die meisten Bürger inzwischen gehört haben. Man braucht also kein Archäologe sein, kein Studium der Historie oder Heimatgeschichts-Seminar belegt zu haben, um zu erahnen, dass es sich bei der exponierten Höhe über der Lahn und dem Laubustal, dem Duneberg / Galgenberg, um einen uralten Kultplatz handelt.

Wo Siedlungen der für ihr hochwertiges Eisen und die Schmiedekunst berühmten Kelten, z.B. bei Oberursel, dem Altkönig, am Dünsberg / Biebertal, in der Wetterau / Glauberg usw. anzutreffen waren, kamen auch Römische Kaufleute und waren Militär Lager in der Nähe. Waldgirmes oder Heddernheim/Nidda und die jüngsten Ausgrabungen in Weyer / Oberbrechen-Alteburg bestätigen das immer wieder.

Die Kultplätze und Siedlungen der Kelten und Römer waren über Strassen und Handelswege mit einander verbunden. Vom Villmarer Duneberg und der Bergbausiedlung von Weyer-Oberbrechen oder Aumenau-Langhecke führte die heutige „Alte Heerstrasse“ sowohl Richtung Oberursel / Altkönig oder der Wetterau und dem Glauberg, als auch nach Norden zum Dünsberg / Biebertal und Waldgirmes / Wetzlar.
Für Kelten und Römer war die Alte Heerstrasse ein wichtiger Handelsweg, eine bedeutende „Eisenstrasse“ zwischen Rom, Gallien und Germanien.

Als die Franken um 600 n.Chr. die römischen Gebiete an Lahn, Rhein und Mosel in Beschlag nahmen und christliche Missionare im Gefolge von Bonifatius ins Land kamen, wurden die traditionellen Kultstätten in der Nähe Keltischer Siedlungen häufig für christliche Religionszwecke umfunktioniert oder völlig zerstört und gerieten dadurch in Vergessenheit.
So erging es auch dem Duneberg, der für keltische Druiden und die Stammesführer unserer Vorfahren ein heiliger Ort war. Die nahe gelegen Hügelgräber sind weiterer Beleg für die kulturhistorische Bedeutung des gesamten Geländes entlang der Lahn und dem Forstgebiet der Langen Hecke.

Den Namen Galgenberg verpassten die Villmarer Patres und ihre Vögte dem Duneberg. Kirchenobere und Landherren wählten damals bevorzugt archaische Kultorte, also durch Götzenkult und heidnische Umtriebe bekannte und deshalb verfluchte Plätze quasi als Tor zur Hölle und ewiger Verdammnis zu Richtstätten für Delinquenten aus.
Die drastischen Blutgericht-Inszenierungen sollten den Glauben der Untertanen stärken und die treue Gefolgschaft zur herrschenden Obrigkeit festigen.
Selbst Reformation und Aufklärung konnten das archaische Brauchtum und die Sagen-umwobene Geschichte vom Duneberg nicht vergessen machen.

Heute käme kein Mensch von Bildung, Heimatliebe, Verantwortungsbewusstsein und Respekt vor dem Kulturerbe und der Lebensleistung seiner Vorfahren auf die Idee, ehrwürdige Kulturorte wie z.B. den Dünsberg, den Donnersberg oder gar den Glauberg mit dem Fürstengrab zu einem Industriegebiet umzufunktionieren und mit subventionierten Windrädern zu verspargeln.
Warum also der fatale Projekt-Vorschlag das Boden-Denkmal Villmarer Duneberg / Galgenberg zu missbrauchen und ein großartiges regionales Erholungsgebiet und
gewachsene Kulturlandschaft derart zu verschandeln?
Warum den Frieden des Kulturerbes der Kelten vom Duneberg stören und die Möglichkeiten des heimischen Kultur-, Natur- und Erholungsgebietes derart leichtfertig verschleudern?

Erst bei näherer Prüfung werden aufmerksamen Beobachtern die Hintergründe deutlich:
Wie bei vielen spontanen und mit „heißer Nadel gestrickten“ Industrie-Projekten und polit-technokratischen Vorhaben (z.B. Gorleben, Stuttgart 21 etc.) stammen die Planungskonzepte meist von ortsfremden Beratern und kommen aus den Schubladen anonymer Experten, die gerne als Endzeit-Apostel durch die Lande ziehen und wie falsche Propheten oder „Pferdeflüsterer“ schockierte und ratlose Politiker vorsätzlich verängstigen und anschließend mit Halbwahrheiten und Scheinargumenten märchenhafte Lösungsideen ins Ohr setzen.

Haben denn so viele aufrechte und kluge Politiker unserer Region den Schulunterricht in Geschichte geschwänzt oder den Lehrstoff in Heimatkunde völlig vergessen?
Wie Bildungsfern, Geschichtsvergessen oder völlig Geldverblendet müssen eigentlich ortsfremde Bürokraten und wundergläubige Technokraten sein, um lokale Mandatsträger solange zu bearbeiten, bis diese sich resignierend dafür hergeben, am historischen Duneberg / Galgenberg derartigen Landschafts- und Kultur-Frevel „alternativlos“ zu akzeptieren oder sogar noch gutheißen und fördern?

Das absurde Wettrennen einzelner Umwelt-Technokraten und verblendeter Lokalpolitiker, sich gegen jede volkswirtschaftliche Vernunft von einer gewachsenen arbeitsteiligen und Wohlstandsichernden Wirtschafts-Verflechtung, in eine autarke Energie-Eigenversorgung zurück zu entwickeln, führt geradewegs ins Volkswirtschaftliche-, Gesellschafts- und Staatspolitische Chaos auf Kosten der Zukunft unserer Kinder.
Damit treiben verblendete Selbstversorger-Ideologen das gleiche Geschäft, wie die gemein-gefährlichen Heuschrecken-Manager der Finanzwirtschaft.
Sie reklamieren alle Vorteile und Gewinne für ihr Projekt und für nur sich alleine, holen sich dazu die Subventionen und Fördergelder vom Staat und lassen für Kosten und Verluste die Allgemeinheit und den Steuerzahler haften. Diese Energie-Schlauberger und Ego-Politiker beschuldigen Finanzspekulanten als Heuschrecken und handeln selbst nach genau dem gleichem Prinzip.

Wer darüber hinaus ohne Rücksicht auf Natur und Landschaft die unwiederbringlichen Schätze des Kulturellen Erbes nur auf zweifelhafte Schönrechnungen von Windkraft-Herstellern und Finanz-Investoren verspekuliert, verschleudert das Tafelsilber der Gemeinde und bleibt zuletzt auf den Trümmern seiner Finanzträume und Schuldenbergen sitzen.

Dabei ist Villmar bereits heute Spitze in erneuerbaren Energien. Die Nutzung von Wasserkraft und Biogas ist vorbildlich für Hessen. Da braucht es bei bestem Willen  und gutem Gewissen nicht noch eines symbolischen Alibi-Windkraft-Denkmals, zumal dessen Wirtschaftlichkeit höchst umstritten ist.
Offensichtlich gilt, was ein kürzlich Finanzberater in öffentlicher Diskussion erklärte:
Wir bauen selbst dort Windräder wo es keinen Wind gibt, weil es für uns trotzdem ein gutes Geschäft ist! Deutlicher konnte die derzeitige Windkraft-Politik noch nicht entlarvt werden.

Neben der Problematik der Waldvernichtung, der Gefährdung der Zugvögel oder der Fledermäuse, stellt sich nicht zuletzt auch noch die Frage: Wie passt das das Vorhaben der Windindustrie auf dem Galgenberg / Duneberg eigentlich mit dem Villmarer Tourismus-Konzept zusammen?
Wenn es ein solches schlüssiges Konzept oder einen Zielplan für die Entwicklung von Villmar 2020 / 30 überhaupt geben sollte.

Es scheint also höchste Zeit, die vielfältigen Zusammenhänge und komplexen Folgen derart windiger Industrieanlagen und sonstiger öffentlicher Millionen-Projekten (z.B. Museum etc.) sorgfältig auf den Prüfstand zu stellen und dabei stärker auf heimische Experten und Kenner der lokalen Verhältnisse zu hören und nicht den pauschalen Versprechungen fremder Berater oder Umsatzabhängiger Finanz-Spekulanten zu glauben.

Glauben ist Sache der Kirche und muss Privatangelegenheit bleiben, nur objektives Wissen und umfassende Kenntnis der nüchternen Fakten garantieren letztendlich den Erfolg aller wirtschaftlichen und kommunalpolitischen Investitionen.

Wer blind und leichtfertig folgenschwere öffentliche Entscheidungen zulässt oder bedenkenlos zusieht, wie einseitige Interessen zulasten des Gemeinwohls eilfertig durchgewunken werden, ist ebenso verantwortungslos wie korrupt und mitschuldig an der Partei-, Demokratie- und Staatsverdrossenheit unserer Bürger und der Jugend.

Das Ansehen und die Ehre ein zeitlich befristetes demokratisches Mandat verfassungstreu zu erfüllen bleibt solange erschüttert, wie ortsfremde Berater und opportunistische Zeitgenossen mit beliebigen Argumenten und einseitigen Gefälligkeitsgutachten die tatsächlichen Fakten und Folgen von Entscheidungen soweit vernebeln, dass von einem demokratischen Meinungsbildungsprozess beim besten Willen keine Rede mehr sein kann.

Opportunismus und profitorientierte Technokratie führen unsere Demokratie zunehmend in Richtung verfassungsfeindliche Konzern- und Finanz-Oligarchie.
Russland und Peking lassen grüßen.

Den Kelten des Duneberg und Vätern unserer Verfassung bleibt es hoffentlich erspart, sich vor Abscheu im Grabe umdrehen müssen. Deshalb Hände weg von der Finanz-Spekulation mit der Kulturstätte Duneberg / Galgenberg. Villmar hat bessere Alternativen, geeignete Beiträge zur Erneuerbarer Energie zu leisten.