21.04.2015  Die Zeit läuft uns davon!
von Burkhard Schmidt; Villmar

Ich habe das Gefühl, dass viele Bewohner unseres „noch“ schönen Lahntals in eine nicht zu erklärende Lethargie verfallen sind und wie das Kaninchen vor der Schlange in einer Art Schockstarre mit ansieht wie hier windige, profitgierige Investoren, Projektierer und deren Handlanger unsere Natur sowie die Gesundheit der Menschen, der Tiere sowie Flora und Fauna unwiederbringlich schädigen und zerstören. Und das ohne jeglichen Nutzen für die Umwelt, vom Klimaschutz ganz zu schweigen (dazu später mehr).
Da sich bekanntlich Geschichten leichter lesen als seitenweise Statistiken und Zahlen zunächst einmal ein kleiner Blick in Villmars Zukunft. Das hier von mir beschriebene Szenario besteht aus zusammen-getragenen, belegbaren Ereignissen, die sich so in der Nähe verschiedener Großwindanlagen weltweit abgespielt haben und für die Betroffenen einschneidende Konsequenzen zur Folge hatten, nämlich das viele ihre Häuser über kurz oder lang aufgegeben haben.

Wir schreiben das Jahr 2017.

Nach noch nicht einmal 5 Monatiger Bauzeit und nach Rodung von ca. 3ha Villmarer Forst drehen sich nun 3 stolze 200Meter hohe 2,5 Megawattrotoren (1 Megawatt = 1000 Kilowatt) auf dem Galgenberg. (3 Anlagen sind die Mindestanzahl für einen Park)
Noch immer sind einige fassungslos, wie schnell und überfallartig, nach einem vom Regierungspräsidium abgesegnetem Genehmigungsbescheid zum Sofortvollzug, die Bagger und Rodungsfahrzeuge der Investoren in einer Nacht und Nebelaktion anrückten, um dem Villmarer Wald und der gesamten Region für immer ein neues Gesicht zu verpassen. Für eine Unterlassungsklage oder eine einstweilige Verfügung war es zu spät.
Na gut, jetzt sind sie halt da.
Viele, die kein Problem mit den Anlagen hatten, können sich jetzt plötzlich nicht an den Anblick gewöhnen. Die nächtliche Befeuerung und der tägliche Schattenwurf störe schon arg meinen einige alt eingesessene Bürger in Villmar aber das betrifft ja nur die Ortsrandlage. Auch seien die Anlagen doch ganz schön laut je nach Windrichtung. Am Ortsrand nachts über 45db und in den Häusern noch 35db. Damit hat hier keiner gerechnet. Aber auch bei günstigem Wind, wenn man eigentlich nichts hört machen sich Symptome bemerkbar. Einige Bewohner der Gartenstraße und am Kuhgraben versuchen nachts zu analysieren, was da eigentlich mit ihrem Körper passiert. Die einen haben das Gefühl, als hätten sie extrem starken Kaffee getrunken, andere wiederum fassen sich an die Brust und fühlen sich als hätten sie ein unsichtbares zu enges Korsett angezogen. Einige spüren am offenen Fenster irgendetwas – fast wie Benommenheit. Von Schlaf kann keine Rede sein. Was zum Teufel ist das eigentlich. Man hört ja nichts, 135db Infraschall von dem nach 1000m immer noch über 90db ankommt, kann man nicht hören aber der Körper reagiert sehr bald. Manchen wird übel, anderen schwindlig. Ca. 25% aller Bewohner werden davon betroffen sein. Bei den neuen größeren getriebelosen Anlagen entsprechend mehr.
Den niedergelassenen Ärzten fällt sehr bald der signifikante Anstieg bestimmter Beschwerden auf. Immer öfter klagen Menschen mit Migräne, Bluthochdruck, Tinitus, Kopfschmerzen, Vestibularis- beschwerden, Schwindel, über eine massive Verschlechterung ihrer Symptome und ständig kommen neue Patienten hinzu.
Ein in der Nähe der Anlagen lebender Landwirt macht sich plötzlich Gedanken. Soviele Tot- und Fehlgeburten hatte er noch nie. Viele Kühe werden gar nicht mehr trächtig und die Kälber wachsen nicht richtig. Er denkt an den Artikel vom Nerzsterben in Jütland und an die Klage der Bauern aus dem Schwarzwald. 1600 tote Nerze auf einer Farm in Dänemark und jede Menge Missbildungen nach dem in 400m Entfernung eine Großwindanlage errichtet wurde . Ob da vielleicht doch was dran war? Er wir stutzig.
Derweil treffen sich die Jagdpächter schon zum dritten Mal um über die aktuelle Lage zu beraten.
Das die Lauschjäger (z.B. Eulen) und viele andere geschützte Tierarten in den Revieren Probleme bekommen war ja jedem klar, aber das das Wild, welches durch den Baulärm während der Bauphase vertrieben wurde nicht wirklich zurückkehrt, wahr wohl doch überraschend. Selbst die hartgesottenen Wildschweine kommen nur noch kurzeitig je nach Windlage zur Futtersuche. Aufzucht findet hier überhaupt keine mehr statt.
In der Gemeinde rumort es. Die Probleme häufen sich. Das rechtskräftige Helgoländer Papier bezüglich Vogelschutz wurde mit Nichten eingehalten bzw. beachtet. Langsam zeigt sich auch, dass die Windgutachten alles andere als korrekt waren. Statt der versprochenen 5,8m/s durchschnittliche Windgeschwindigkeit werden kaum 5m/s erreicht. Das reicht auch aufgrund von weiteren Auflagen noch nicht einmal für 1600 Vollaststunden. 2200 sollten es eigentlich sein damit die Anlagen halbwegs profitabel laufen. Hoffentlich gibt es an den Standorten keine Setzungen aufgrund des ehemaligen Bergbaus, denn auf Probebohrungen hat man wegen der Kontaminationsgefahr für tieferliegende Wasserreservoirs Gott sei Dank verzichtet. Langsam geht den Villmarern ein Licht auf, denn die Pachtverträge wurden natürlich ertragsabhängig gestaltet und nun bleiben die fest eingeplanten Einnahmen aus. Ganz schlaue Rechner haben schon erkannt, dass bei einer Insolvenz der komplette Rückbau von der Gemeinde zu leisten ist. Die Rücklagen für den Rückbau belaufen sich pro Anlage bei einer Nabenhöhe von 140m auf ca. 140 000€. Die tatsächlichen Kosten werden mit ca. 350 000€ zu Buche schlagen, gemäß Kalkulationen bei bekannten Altlastensanierungen. Die Gemeinde wiegelt ab.
Na ja, Sie geht ja auch nicht pleite. Das zahlt ja der Bürger. Apropos Bürger, denen wird nun neuerdings geraten sich seit einem Eiswurfunfall im Winter von den Anlagen fernzuhalten, obwohl anderseits der Zusammenhang mit Personenschäden als recht unwahrscheinlich eingestuft und dem allgemeinen Lebensrisiko zugeordnet wird. Da die Risikozone bei Eisbildung an den Blättern rund 200ha beträgt, ist das Naherholungsgebiet Galgenberg wohl damit endgültig Geschichte.
Szenario Ende
So wie hier beschrieben, könnte die Zukunft aussehen, die sich nicht wenige wünschen. So oder ähnlich sind in der Vergangenheit viele Großwindanlagen mit identischen Auswirkungen auf Mensch und Natur wider jegliche Vernunft durchgesetzt worden und werden es immer noch.
Aber wie heißt es so schön, für die Energiewende und die Klimarettung muss man Opfer bringen.
Das Problem dabei ist, dass wir leider nichts zur Klimarettung beitragen. Im Gegenteil wir zerstören permanent unsere Umwelt und nennen das dann ökologisch.
Die Wahrheit über unsere unsteten volatilen Energieerzeuger ist, dass wir fast für jede Anlage eine gleichpotente Reserve vorhalten müssen falls uns die Quelle (Wind oder Sonne) ausfällt. Man schaltet diese grundlastfähigen Kraftwerke nicht einfach ab wenn man sie nicht braucht, nein sie laufen permanent mit und zwar im schadstoffreichen angedrosselten Betrieb und blasen ihren Turbinendampf ungenutzt in die Luft oder in die Kondensatoren. Man kann sie nicht abschalten, es würde viel zu lange dauern sie wieder hochzufahren um die schwankenden Netze im Notfall zu stabilisieren. D.h. die Bundesregierung erlaubt sich im übertragenen Sinne z.B. bei einer Fahrt von Villmar nach Frankfurt für 4 Personen zwei Autos loszuschicken um bei Ausfall einen direkten Umstieg vom Ökoauto ins Dieselfahrzeug zu gewährleisten. Immerhin möchten die 4 Personen ja mal in Frankfurt ankommen, wobei die nicht vorhersagbare Ankunftszeit und die permanente Unzuverlässigkeit des Ökoautos schon mächtig an den Nerven zehren. Das die 4 Personen das 2. Auto auch bezahlen müssen, ist ihnen nie gesagt worden und das das 2. Auto Dreck verursacht, weiß auch niemand. Man ärgert sich nur über die unerklärlich teuren Fahrpreise, die EU weit Ihresgleichen suchen.
Die Bundesregierung will per Gesetz die Abschaltung von Kraftwerken verhindern, die zwar aus Sicht der Stromerzeuger unrentabel geworden sind, aber zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit weiterhin benötigt werden. Sie befolgt damit Ratschläge der Bundesnetzagentur. Und die großen Energiekonzerne machen Druck und reichen eine Klage nach der anderen ein. Sie wollen die unrentablen Kraftwerke abschalten bzw. bei Aufrechterhaltung wollen sie das Geld für den Strom den sie nicht produzieren dürfen sobald der Wind weht. So werden wir bald an die 40 bis 50 Gigawatt (GW) Kaltreserve haben die wir ebenfalls bezahlen werden. Der Strompreis wird einen Sprung über die 35 Cent machen und ein Ende ist nicht abzusehen. Darüber hinaus wird sich an unserem CO2 Ausstoß nicht viel verändern. Die Windenergie ist jetzt schon überbaut und es sollen noch viele Anlagen kommen. Wenn es nach der Bundesregierung geht, mehr als das 2 fache des Strombedarfes unseres Landes. Dann steht alle 6 km ein Windpark und an Flucht braucht dann auch kein Betroffener mehr denken, wohin auch. Wenn man das dann herunter rechnet auf den schwächsten Windtag aus 2014, hätten von allen Anlagen, inklusive der noch geplanten, am Donnerstag den 17.07.2014 noch ca. 0,1 Gigawatt zur Verfügung gestanden. Deutschland benötigt aber an die 70GW elektrische Leistung am Tage und nachts etwa die Hälfte und dem gegenüber stehen lächerliche 6,5 Gigawatt installierter Pumpspeicherkraftwerksleistung in Deutschland. Das ist noch nicht einmal ein Zehntel von der Leistung, die wir an diesem Tag zusätzlich gebraucht hätten. Mehr brauche ich dazu nicht sagen und mehr will ich auch nicht dazu sagen, denn wer es jetzt immer noch nicht begriffen hat, dem ist auch in Zukunft nicht mehr zu helfen.
In einem hier verfassten Artikel aus dem Jahr 2012 steht der vielzitierte Satz „wir lassen uns nicht alles bieten“. Ich komme langsam zu der Erkenntnis, dass wir uns alles, aber auch wirklich alles bieten lassen.
Ich kann nur allen empfehlen wachsam zu sein und rechtzeitig aufzustehen, denn wenn die Pachtverträge erst einmal unterschrieben sind, wird es sehr, sehr schwer das Rad noch einmal zurückzudrehen. Nur noch einmal zum Verständnis. Es ist unsere Zukunft, unsere Gesundheit und unser Wald um den es hier geht und wir haben es selbst in der Hand dieses drohende Unheil abzuwenden. Wenn wir Bürger uns einig sind, wird dort nichts entstehen, was wir nicht wollen.